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Krebstherapie während der COVID-19-Pandemie: Eine ESMO- Patientenleitlinie

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„Was ist COVID-19 und wie wird die Pandemie meine Krebstherapie beeinflussen?“

Diese Leitlinie für Patienten wurde erstellt, um Ihnen sowie Ihren Freunden, Angehörigen und Pflegepersonen zu helfen, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Ihre Krebstherapie besser zu verstehen. Sie enthält Informationen zu COVID-19 und den entsprechenden Symptomen sowie zu den Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um Ihr Infektionsrisiko zu verringern. Es werden auch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf verschiedene Aspekte der Krebstherapie behandelt, einschließlich eventuell notwendiger Änderungen Ihres Behandlungsplans und Ihrer Besuchstermine, um Sie vor einer Infektion zu schützen.

Da sich die Informationslage zu COVID-19 ständig ändert, wird diese Patientenleitlinie regelmäßig aktualisiert.

Für andere Länder und für die jeweiligen Kliniken können andere Angaben und Herangehensweisen als die hier beschriebenen gelten. Bleiben Sie daher bitte in engem Telefon- oder E-Mail-Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft, denn sie kennen Ihre vollständige medizinische Vorgeschichte und können Sie zu der in Ihrem Fall am besten geeigneten Vorgehensweise beraten.

Die in dieser Patientenleitlinie enthaltenen Informationen können und dürfen das beratende Gespräch mit Ihrem Arzt nicht ersetzen. Fragen Sie daher bitte Ihren Arzt nach den spezifischen Auswirkungen der Pandemie auf die Behandlung Ihrer Krebserkrankung, die sich nach Krebsart und Krankheitsstadium richtet.

COVID-19 ist die Kurzbezeichnung für ‚Coronavirus-Krankheit 2019‘. Diese Krankheit wird durch einen neuartigen, sich rasch ausbreitenden Coronavirus mit der Bezeichnung SARS-CoV-2 verursacht.

Coronaviren sind eine Familie von Viren, die eine Erkrankung bei Säugetieren und Vögeln hervorrufen; sie können sich mitunter auch weiterentwickeln und dann auch Menschen befallen. Im Dezember 2019 wurden die ersten COVID-19 Fälle beim Menschen durch SARS-CoV-2 in Wuhan (China) berichtet. In dieser Leitlinie wird das SARS-CoV-2 nur als ‚Coronavirus‘ bezeichnet.

Coronaviren sind kugelförmig und haben nach außen vorragende, keulenförmige Strukturen aus Proteinen an der Oberfläche, sogenannte Spikes‘. Diese Spikes können an eine menschliche Zelle andocken und das Viruspartikel auf diese Weise an die menschliche Zelle binden. Daraufhin können Gene des Virus in die menschliche Zelle eindringen und sich dort vervielfältigen, um weitere Viren zu produzieren.

Coronaviren verursachen beim Menschen Atemwegsinfektionen. Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) hat sich schnell über die ganze Welt verbreitet. Die dadurch verursachte Erkrankung, COVID-19, kann schwere und lebensbedrohliche Infektionen verursachen, vor allem bei älteren Menschen (über 65 Jahren) und bei vorbestehenden Grunderkrankungen.

Wer ist am meisten gefährdet, an COVID-19 zu erkranken?

Die bislang verfügbaren Daten zeigen, dass ältere Menschen für einen schweren Verlauf von COVID-19 anfälliger sind, vor allem wenn sie eine Grunderkrankung haben, wie z. B. eine chronische Lungenerkrankung, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes, chronische Nierenerkrankung oder eine bestehende Krebserkrankung.

Bei einer bestehenden Krebserkrankung kann bei Ihnen das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 erhöht sein, wenn Sie

  • eine Chemotherapie erhalten oder in den letzten 3 Monaten eine Chemotherapie erhalten haben;
  • eine großflächige Strahlentherapie erhalten;
  • in den letzten 6 Monaten eine Knochenmarktransplantation oder Stammzelltransplantation erhalten haben oder noch Immunsuppressiva nehmen;
  • eine bösartige Erkrankung des Blutes oder Lymphsystems haben, die das Immunsystem schädigt, auch wenn Sie noch keine Behandlung erhalten haben (wie z. B. eine chronische Leukämie, ein Lymphom oder Multiples Myelom).

Der Grund dafür liegt darin, dass manche Krebstherapien und manche Krebsarten Ihr Immunsystem unterdrücken können und Sie daher nicht fähig sein könnten, die Infektion genauso gut abzuwehren wie jemand, der keinen Krebs hat. Doch bei manchen Patienten ist eine Fortsetzung der Krebstherapie zur Bekämpfung der Erkrankung grundlegend, auch wenn dies mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 verbunden ist. Bei jedem einzelnen Patienten müssen daher die Risiken einer Infektion gegen den Nutzen der Krebstherapie sorgfältig abgewogen werden.

Wenn Sie zu einer der oben genannten Risikogruppen gehören, wird Ihr Arzt Sie anweisen, Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu ergreifen.

„Ältere Menschen und Menschen mit einer Grunderkrankung, einschließlich Krebs, sind anfälliger für einen schweren Verlauf von COVID-19.“

„Sorgen Sie für eine gute Hygiene und waschen Sie regelmäßig Ihre Hände.“

Es wird vermutet, dass die Übertragung des Coronavirus von einer Person auf die andere hauptsächlich über die Tröpfchen erfolgt, die beim Niesen und Husten entstehen. Das neuartige Coronavirus, das COVID-19 verursacht, ist offenbar sehr infektiös (ansteckend), jeder Infizierte überträgt das Virus normalerweise auf zwei weitere Personen.

Gute Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen und Abdecken von Mund und Nase beim Husten oder Niesen, sind bereits unter normalen Umständen sehr wichtig. Sie sollten jedoch während der COVID-19-Pandemie noch strenger beachtet werden, da Sie durch diese einfachen Maßnahmen Ihr Infektionsrisiko und das Übertragungsrisiko erheblich reduzieren können.

Präventivstrategien zur Vermeidung von COVID-19 sind nachstehend angeführt.

Hände waschen

Die Hände sollten regelmäßig mit war­mem Wasser und Seife mindestens 20 Sekunden lang gewaschen werden. Dies gilt im besonderen Maße, nachdem Sie außer Haus waren, nachdem Sie Gegen­stände berührt haben, die von außerhalb in Ihre Wohnung kommen (z. B. Post oder Lebensmittel), und bevor Sie Speisen zubereiten oder essen. Vermeiden Sie es ebenfalls, sich in das Gesicht zu fassen, vor allem an Nase, Augen und Mund. Dadurch verhindern Sie, dass das Coronavirus über Ihre Hände dorthin gelangt, wo es in Ihren Körper eindringen kann.

Dabei ist auch die richtige Hygiene der Fingernägel wichtig. Fingernägel sollten kurz gehalten und beim Händewaschen mit der Bürste gereinigt werden.

Atemschutzmasken

Eine Atemschutzmaske sollten Sie nur tragen, wenn Sie COVID-19-Symptome haben oder wenn Sie einen COVID-19-Erkrankten betreuen. Einwegmasken sollten nur einmal getragen werden. Doch Sie können das Tragen einer Atemschutzmaske in Erwägung ziehen, wenn bei Ihnen das Risiko für schwerwiegende Folgen von COVID-19 stark erhöht und keine wirksame häusliche Isolierung möglich ist (beispielsweise, wenn für andere Haushaltsangehörige eine gemeinsame häusliche Isolierung nicht machbar ist und Sie den Kontakt mit ihnen nicht vermeiden können). Auch wenn bei Ihnen kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Folgen von COVID-19 besteht und Sie das Haus zwecks körperlicher Aktivitäten und Lebensmitteleinkäufe verlassen möchten, können Sie eine Atemschutzmaske tragen. Doch sollten Sie sich dabei nicht auf die Atemschutzmaske als alleinigen Schutz vor der Infektion verlassen. Beachten Sie auch die unten angeführten Regeln der sozialen Distanz und sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Hände möglichst bald nach Ihrer Rückkehr gründlich waschen.

Soziale Distanz

In vielen Ländern wurden bereits Regeln für die soziale Distanz eingeführt. Soziale Distanz umfasst Maßnahmen zur Minimierung von Kontakten mit Personen außerhalb Ihres Haushalts (einschließlich mit Freunden und Verwandten). Beispielsweise sind vielerorts Versammlungen wie Partys und Hochzeiten gegenwärtig nicht erlaubt. Schulen, Universitäten, Restaurants und Geschäfte sind ebenfalls geschlossen. Wir sind aufgefordert, unser Zuhause nur bei absoluter Notwendigkeit zu verlassen, um Lebensmittel einzukaufen, Medikamente zu holen und zur Arbeit zu gehen, falls es nicht möglich ist, von zu Hause aus zu arbeiten. Gegebenenfalls sind auch körperliche Aktivitäten außer Haus möglich; dabei müssen Sie aber mehr als 2 m Abstand von allen Personen, denen Sie begegnen, halten. Bei unvermeidlicher Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind wir ebenfalls aufgefordert, sofern möglich 2 m Abstand zu anderen Personen zu halten. Wenn irgend möglich, sollten Krebspatienten auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel verzichten.

Die Regeln der sozialen Distanz dienen der Einhaltung eines sicheren Abstands zwischen den Menschen, um das Risiko einer Ausbreitung des Coronavirus durch sozialen Kontakt zu verhindern.

Häusliche Isolierung

Besteht ein hohes Risiko für schwerwiegende Folgen von COVID-19, wird eine häusliche Isolierung empfohlen. Es wird angenommen, dass das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 bei manchen Patienten unter Krebsbehandlung erhöht ist (siehe Abschnitt ‚Wer ist am meisten gefährdet, an COVID-19 zu erkranken?‘) und daher während der Pandemie eine häusliche Isolierung angezeigt ist. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, ob dies bei Ihnen notwendig ist. Häusliche Isolierung bedeutet, dass Sie ständig zu Hause bleiben und keinen persönlichen Kontakt mit Personen außerhalb Ihres Haushalts haben sollen. Um die Wirksamkeit der häuslichen Isolierung zu gewährleisten, sollten auch die anderen Haushaltsangehörigen zusammen mit Ihnen in häuslicher Quarantäne bleiben. Ist dies nicht möglich, sollten Sie möglichst in einem von den anderen getrennten Bereich Ihres Haushalts (z. B. in Ihrem Schlafzimmer) vorzugsweise mit eigenem Badezimmer untergebracht sein und zu den anderen Haushaltsangehörigen einen Abstand von mindestens 2 m einhalten. Wenn Sie sich in häuslicher Isolierung befinden, dürfen Sie das Haus aus keinem Grund verlassen. Daher müssen Sie für die Lieferung nach Hause Ihrer Lebensmittel und Medikamente sorgen. Benutzen Sie dazu Remote-Technologie wie Telefon, Internet oder soziale Medien.

Eine häusliche Isolierung ist bei allen Personen mit Krankheitssymptomen von COVID-19 (siehe Abschnitt ‚Mit welchen Symptomen geht COVID‑19 einher?‘) angezeigt, um sicherzustellen, dass sie das Coronavirus nicht auf andere Personen übertragen.

„Eine häusliche Isolierung wird bei hohem Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 empfohlen.“

Zusätzliche Präventivmaßnahmen bei Krebspatienten

Bei manchen Patienten, die wegen einer Krebserkrankung behandelt werden, kann das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 erhöht sein. Dies liegt daran, dass Ihr Immunsystem durch die Krebserkrankung unterdrückt werden kann und Sie daher nicht in der Lage sind, die Infektion so wirksam wie eine nicht krebskranke Person zu bekämpfen. Auch einige Krebstherapien können das Immunsystem unterdrücken, daher ist es sehr wichtig, dass Sie die Empfehlungen Ihres Arztes zur Vorbeugung einer Infektion befolgen. Ihr Arzt oder Gesundheitsamt können Sie anweisen, strengere Maßnahmen, als für die allgemeine Bevölkerung empfohlen werden, zu ergreifen. Beispielsweise können Sie aufgefordert werden, sich in die häusliche Isolierung zu begeben und sich sogar von den anderen Haushaltsangehörigen fernzuhalten, damit Sie vor jeglichem Infektionsrisiko und somit vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt sind. Außerdem sollten Sie das Telefon oder Online-Dienste für alle Außenkontakte benutzen; dies gilt auch für den Kontakt mit Ihrem Arzt, Ihrer Pflegefachkraft oder Ihrem Hausarzt, und für die Organisation der Lieferung Ihrer Einkäufe oder Medikamente. Dabei sollten Sie auch eine gute Hygiene, einschließlich regelmäßiges Händewaschen, beachten.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob bei Ihnen das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 erhöht ist und welche Maßnahmen Sie ergreifen sollten, um sich vor einer Infektion zu schützen, wenden Sie sich bitte für weitere Informationen und Ratschläge an Ihren Arzt, Ihre Pflegefachkraft oder Ihren Hausarzt.

Zusätzliche Präventionsmaßnahmen in Krankenhäusern und Gesundheitszentren

Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen haben neue Maßnahmen eingeführt, um das Infektionsrisiko von Patienten und Personal zu minimieren. Beispielsweise können nicht unbedingt notwendige Termine gestrichen oder per Telefon durchgeführt werden. Wenn Sie einen wichtigen Termin haben, dürfen Sie wahrscheinlich nur ohne Begleitung kommen. Wartebereiche können geschlossen sein, und eventuell werden Sie aufgefordert, so lange draußen zu warten, bis Sie aufgerufen werden oder eine Textnachricht erhalten, dass Sie an der Reihe sind. Die Empfangstheke ist gegebenenfalls mit einem Hygieneschutz oder mit Absperrungen versehen, um eine Übertragung des Virus vom Personal auf die Patienten und umgekehrt zu verhindern. Sie könnten auch aufgefordert werden, mit einem Privatfahrzeug und nicht mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu Ihrem Termin zu kommen.

In vielen Krankenhäusern wurden die medizinischen Teams, die für die Versorgung von COVID-19-Patienten zuständig sind, von den medizinischen Teams getrennt, die Krebspatienten und andere Patienten behandeln. Diese separaten Teams kommen niemals weder beruflich noch persönlich miteinander in Kontakt, um eine Übertragung des Virus von dem COVID-19-Versorgungsteam auf das onkologische Versorgungsteam zu verhindern. In manchen Regionen wurde die onkologische Versorgung aus den allgemeinen Krankenhäusern in onkologische Fachkliniken ausgelagert, auch in diesem Fall, um das Übertragungsrisiko zwischen allgemeiner Krankenhauspopulation und Krebspatienten zu minimieren. In manchen Krankenhäusern gilt während der Pandemie ein allgemeines Besuchsverbot.

„Neue Maßnahmen wurden eingeführt, um das Risiko einer Coronavirus-Infektion in Krankenhäusern und Gesundheitszentren zu minimieren.“

Es ist wichtig, dass Sie die Symptome von COVID-19 erkennen können. Diese sind:

  • Fieber
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Atembeschwerden
  • Muskelschmerzen
  • Fatigue
  • Geschmacks- und Geruchsstörungen
  • Symptome, die den Gastrointestinaltrakt betreffen, wie Durchfall

Bei Krebspatienten können sich die Symptome von denen der allgemeinen Population unterscheiden; wenn beispielsweise Ihr Immunsystem durch die Krebstherapie unterdrückt wird, können die ersten Anzeichen in geringerem Maße auftreten. Sie sollten auch wissen, dass sich manche COVID-19-Symptome mit den Nebenwirkungen einer Krebstherapie überlappen können, wie Fatigue und Fieber.

„Bei Krebspatienten sind die Symptome von COVID-19 möglicherweise verschieden.“

Die Zeit, die von der Exposition gegenüber dem neuartigen Coronavirus bis zum ersten Auftreten von Symptomen verstreicht, beträgt normalerweise 4-6 Tage, kann aber zwischen 2 und 14 Tagen variieren. Es wird vermutet, dass die meisten COVID-19-Fälle von Personen übertragen werden, die Symptome entwickelt haben. Doch bei manchen Infizierten kann die Erkrankung schon vor der Entwicklung von Symptomen ansteckend sein.

Sie sollten sich an Ihren Arzt wenden, wenn Sie Symptome von COVID-19 bemerken. Es ist sehr wichtig, dass Sie sich nicht persönlich zu Ihrem Arzt oder in das Krankenhaus begeben, um eine potentielle Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Nehmen Sie zuerst telefonischen oder Online-Kontakt auf und folgen sie den Anweisungen, die Ihnen gegeben werden. Bei geringen Symptomen werden Sie wahrscheinlich aufgefordert, sich in die häusliche Isolation zu begeben, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Bei schweren Symptomen werden Sie eventuell aufgefordert, sich in das Krankenhaus zur weitergehenden Abklärung zu begeben, aber Sie werden nicht in Ihrer gewohnten onkologischen Abteilung untersucht. Denn es ist unerlässlich, Patienten mit COVID-19-Symptomen getrennt von anderen Abteilungen zu halten, insbesondere von Abteilungen, in denen Krebspatienten behandelt werden.

Es ist bereits ein Antigen-Test zum Nachweis von COVID-19 verfügbar. Antigene sind Strukturen in einem Virus, die eine Bekämpfung der Infektion durch das körpereigene Immunsystem auslösen. Bei diesem Antigen-Test wird ein Abstrich aus Nase oder Rachen genommen und zur Untersuchung in das Labor gesandt. Je nach den Umständen (wie Standort des Labors und Testaufkommen) kann es mehrere Tage dauern, bis der Test im Labor durchge­führt und dem Betroffenen das Ergebnis mitgeteilt wird. Die Verfüg­barkeit des Antigen-Tests und Angaben dazu, wer getestet werden soll, sind je nach Land verschieden.

In der Entwicklung befindet sich derzeit ein Antikörper-Test. Dieser könnte eingesetzt werden, um zu erkennen, ob eine Person COVID-19 ausgesetzt war und seither genesen ist, und zwar unabhängig davon, ob Symptome vorliegen oder nicht. Antikörper werden durch das Blut als Reaktion auf die Gegenwart eines bestimmten Antigens gebildet. Nachdem diese Antikörper gebildet wurden, binden sie sich an das Virus und zerstören es. Die Bildung von Antikörpern gegen ein Virus kann mehrere Tage dauern, aber nachdem sie gebildet wurden, bleiben sie im Blut und schützen uns, falls wir wieder demselben Virus ausgesetzt sind. Für den Antikörper-Test ist nur eine sehr kleine Menge Blut aus der Fingerkuppe erforderlich, und das Testergebnis kann innerhalb von 15 Minuten vorliegen. Da der Körper jedoch eine gewisse Zeit zur Bildung von Antikörpern benötigt, ist ein Antikörper-Test nicht dazu geeignet nachzuweisen, ob eine Person aktuell an COVID-19 erkrankt ist.

Mehrere Antikörper-Tests für COVID-19 werden derzeit auf ihre Zuverlässigkeit hin geprüft, und ein Test wurde bereits in den USA zugelassen. Wenn sie einmal allgemein verfügbar sein werden, stellen sie einen wichtigen Test dar, um die tatsächliche Anzahl der Menschen, die COVID-19 hatten, und somit die volle Auswirkung dieser Pandemie zu ermitteln.

„Die Richtlinien zu COVID-19-Tests sind je nach Land verschieden.“

Medizinisches Personal

Die Beschäftigten im Gesundheitswesen werden gegebenenfalls auf COVID-19 getestet, um das Übertragungsrisiko zwischen medizinischem Personal und Patienten zu minimieren. Allerdings sind Verfügbarkeit des Tests und Angaben zu den Personen, die getestet werden sollen, je nach Land verschieden. In manchen Regionen werden entweder alle Beschäftigten im Gesundheitswesen unabhängig vom Vorliegen von Symptomen auf COVID-19 getestet oder es werden nur diejenigen getestet, die COVID-19-Symptome haben. In anderen Regionen werden die Beschäftigten im Gesundheitswesen mit geringen Symptomen nicht getestet, sondern nur angewiesen, sich 14 Tage lang in häusliche Isoliationg zu begeben.

Patienten

Bei geringen Symptomen können Sie auf COVID-19 getestet werden oder möglicherweise auch nicht, denn Testverfahren und diesbezügliche Richtlinien variieren ja nach Land. Diese können sich auch im weiteren Verlauf der Pandemie und bei Verfügbarkeit weiterer Tests ändern. Gegenwärtig werden Tests vorwiegend bei Patienten durchgeführt, die mit schweren Symptomen in das Krankenhaus eingewiesen werden.

COVID-19 wird durch symptombezogene Therapiemaßnahmen behandelt.“

Es gibt noch keine spezifischen Therapien für COVID-19, daher wird die Infektion durch eine Bekämpfung der Symptome behandelt. Leichte Fälle können zu Hause durch viel Ruhe, Trinken großer Mengen Wasser und Einnahme von Paracetamol zur Fiebersenkung behandelt werden. Bei Patienten mit schweren Symptomen kann eine Behandlung der Komplikatio­nen, wie Pneumonie, im Krankenhaus erforderlich sein.

Verschiedene Arzneimittel, wie Virostatika und Arzneimittel, welche die Immunantwort verändern, werden aktuelle auf ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von COVID-19-Patienten geprüft. Unter anderem werden in klinischen Prüfungen an Patienten mit COVID-19 die Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin untersucht. Bislang legen die Daten aus zwei kleinen Studien nahe, dass sie bei stationär behandelten Patienten einen gewissen Nutzen haben können. Daten aus weiteren Studien haben jedoch nicht dieselben Ergebnisse erbracht. Die US-amerikanische Arzneimittel­zulassungsbehörde hat Chloroquin und Hydroxychloroquin zur Anwendung bei stationären Patienten mit COVID-19 zugelassen. Diese Arzneimittel wurden auch in die COVID-19-Behandlungsleitlinien mancher Länder, China und USA eingeschlossen, aufgenommen, wohingegen die europäische Arzneimittel-Agentur die Anweisung herausgegeben hat, diese Arzneimittel nur in klinischen Prüfungen oder im Notfall einzusetzen.

Zu den anderen Arzneimitteln, die gegenwärtig in klinischen Prüfungen als potentielle Therapie für COVID-19 getestet werden, zählen Remdesivir, Lopinavir/Ritonavir (die gegenwärtig zur Behandlung der HIV-Infektion angewendet werden) und Interferon-beta (das gegenwärtig zur Behandlung von Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose angewendet wird).

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass fundierte Daten zum Nachweis der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Arzneimittel, die für die Anwendung bei COVID-19-Patienten in Erwägung gezogen werden, erforderlich sind. Die Anwendung von Chloroquin und Hydroxychloroquin sowie der anderen in der jüngsten Berichterstattung erwähnten Arzneimittel wird aktuell nicht durch überzeugende Daten aus klinischen Studien gestützt. Eine Selbstmedikation sollte daher vermieden werden, denn manche Arzneimittel können schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen oder die Wirkungen anderer Arzneimittel beeinflussen. Nur Ihr Arzt ist in der Lage, Sie über die beste Behandlung Ihrer Symptome zu beraten.

Entwicklung von Impfstoffen

Gegenwärtig gibt es keinen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus, aber die Forscher weltweit arbeiten uner­müdlich an der Entwicklung eines solchen Impf­stoffs. Die Entwicklung von Vakzinen dauert in der Regel 12-18 Monate, aber die Voruntersuchungen von Freiwilligen zwecks Teilnahme an klinischen Prüfungen zu Coronavirus-Impfstoffen laufen bereits. Die ersten Studien werden die Unbedenklichkeit der Vakzine und ihr Vermögen, eine Immunantwort hervorzurufen, prüfen.

Falls bei Ihnen COVID-19-Symptome auftreten sollten, werden aus medizinischer Sicht Ihre Isolierung und die Behandlung der Coronavirus-Infektion an erster Stelle stehen. Ihre Krebstherapie wird erst dann wieder aufgenommen, wenn Sie sich von COVID-19 ausreichend erholt haben.

Während der COVID-19-Pandemie können Besuchstermine im Krankenhaus ein Infektionsrisiko für Sie darstellen. Zu Ihrem Schutz wird daher Ihre Krebstherapie während der Pandemie angepasst. Das Ziel dabei ist, die Zeit, die Sie für Ihre nötige Behandlung im Krankenhaus verbringen, möglichst zu verringern.

Um direkte persönliche Kontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren, werden Ihnen Telefon- oder Video-Beratungen angeboten, insbesondere für Aufklärungsgespräche und die Nachsorge. Falls Sie normalerweise zu regelmä­ßigen Blutuntersuchungen in das Krankenhaus kommen, werden diese möglicherweise in ein anderes Gesundheitszentrum vor Ort ausgelagert. Medikamente können Ihnen nach Hause geliefert werden, oder es kann eine Abholstelle eingerichtet werden. Vielerorts werden zudem die Intervalle für Folgerezepte oder elektronische Rezepte verlängert, um den Patienten während der Pandemie eine häusliche Krebsbehandlung (z. B. orale Krebstherapie) ohne zusätzliche Termine für die Ausstellung von Rezepten zu ermöglichen.

„Ihre Krebsversorgung wird während der COVID-19-Pandemie angepasst, um Ihnen den größtmöglichen Infektionsschutz zu bieten.“

Wenn Sie zu einem wichtigen Termin in das Krankenhaus kommen, werden Sie feststellen, dass besondere Maßnahmen zum Schutz von Patienten und medizinischem Personal eingeführt wurden (siehe Abschnitt ‚Zusätzliche Präventionsmaßnahmen in Krankenhäusern und Gesundheitszentren‘). Vielleicht wurden Sie am Tag vor Ihrem planmäßigen Termin telefonisch kontaktiert, um abzuklären, ob Sie COVID-19-Symptome entwickelt haben. Denn Patienten mit Anzeichen einer Infektion ist es untersagt, zu Terminen in das Krankenhaus zu kommen, und können je nach Schwere der Symptome an eine Abteilung, die auf COVID-19 spezialisiert ist, weitergeleitet werden.

Manche Behandlungsarten werden gegebenenfalls aufgeschoben, um Sie vor einer möglichen Infektion zu schützen. Bitte beachten Sie, dass ein geringer Behandlungsaufschub in vielen Fällen völlig unbedenklich ist und dass Ihr Arzt nur zu einem Aufschub anrät, wenn dieser medizinisch vertretbar und in Ihrem besten Interesse ist. Bleiben Sie in engem Telefon- oder E-Mail-Kontakt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft, so dass Sie immer über Änderungen Ihres Behandlungsplans informiert sind.

Die im Folgenden beschriebenen Szenarien dienen lediglich als Orientierungshilfe. Sie können und dürfen das beratende Gespräch mit Ihrem Arzt nicht ersetzen. Ihr Arzt kennt Ihre vollständige medizinische Vorgeschichte und wird Sie über das für Sie am besten geeignete Vorgehen beraten.

Auswirkungen von COVID-19 auf die Krebsvorsorge

Es ist sehr wahrscheinlich, dass routinemäßige Vorsorgetermine, wie z.B. Gebärmutterhalskrebs-Früherkennungstests und Mammographien, gestrichen oder auf absehbare Zeit verschoben werden.

Auswirkungen von COVID-19 auf Diagnostik und Stadienbestimmung

Untersuchungen zur Diagnosestellung oder Stadienbestimmung einer Krebserkrankung können aufgeschoben werden, wenn das Risiko einer Coronavirus-Infektion den Nutzen dieser Untersuchungen überwiegt. Dies kann der Fall sein bei Patienten mit Anzeichen einer Krebserkrankung, bei der nur ein geringes Risiko für eine schnelle Progression besteht (wie z. B. geringfügige verdächtige Befunde bei der Mammographie). Eine diesbezügliche Entscheidung wird in jedem Einzelfall besprochen. Bei manchen Patienten wird die Stadienbestimmung möglicherweise auf die wichtigsten Verfahren beschränkt, die für die Behandlung richtungsgebend sind. 

Auswirkungen von COVID-19 auf die Krebstherapie

„Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft auf, um zu erfahren, ob Ihr Behandlungsplan geändert werden muss.“

Ihr Krebsbehandlungsplan muss möglicherweise angepasst werden, um Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie zu minimieren. Die jeweilige Vorgehensweise kann je nach therapeutischer Zielsetzung variieren; beispielsweise ist es wahrscheinlicher, dass kurative Behandlungen wie geplant fortgesetzt werden, um die besten Chancen für eine Remission sicherzustellen, wohingegen bei Patienten, die eine palliative Therapie erhalten, das Risiko einer Coronavirus-Infektion den potentiellen Nutzen der Behandlung überwiegen kann.

ESMO verfolgt einen abgestuften Ansatz bei der Versorgung von Krebspatienten während der COVID-19-Pandemie. Dieser Ansatz berücksichtigt das Krankheitsbild des Patienten, die Vordringlichkeit der geplanten Krebstherapie und den zu erwartenden Nutzen der Therapie unter Berücksichtigung des potentiellen Risikos einer Coronavirus-Infektion im Zusammenhang mit den logistischen Aspekten der Behandlung sowie mit den verfügbaren Ressourcen für die sichere Bereitstellung der Behandlung. Auf Basis dieses Ansatzes können die Patienten nach folgenden Prioritätsstufen gruppiert werden:

Stufe 1: Hohe Priorität. Diese Gruppe umfasst Patienten mit lebensbedrohlichem Krankheitsbild oder klinisch instabile Patienten und/oder Patienten, bei denen die geplante Behandlung wahrscheinlich mit einem signifikanten Nutzen verbunden ist (z. B. lebensverlängernd ist oder die Lebensqualität verbessert) und die Behandlung daher hohe Priorität hat.

Stufe 2: Mittlere Priorität. Diese Gruppe umfasst Patienten mit einem schweren, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Krankheitsbild, bei denen ein kurzer Aufschub der Behandlung erwogen werden kann. Allerdings könnte sich ein Aufschub um mehr als 6-8 Wochen potentiell auf das Ergebnis und/oder das Ausmaß des Nutzens auswirken, weshalb die Behandlung eine mittlere Priorität hat.

Stufe 3: Niedrige Priorität. Diese Gruppe umfasst Patienten, deren Zustand ausreichend stabil ist, so dass der Aufschub jeder Behandlung für die Dauer der COVID-19-Pandemie unbedenklich ist. Dazu zählen ebenfalls Patienten, deren geplante Behandlung wahrscheinlich keinen signifikanten Nutzen bringt (z. B. wahrscheinlich nicht lebensverlängernd ist oder die Lebensqualität nicht verbessert), weshalb die Behandlung eine niedrige Priorität hat.

Ein multidisziplinäres Team wird jeden einzelnen Patienten prüfen, um zu entscheiden, ob eine Änderung der Behandlung erforderlich ist. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft in Telefon- oder E-Mail-Kontakt bleiben, damit Sie erfahren, ob, wie und warum Ihr Behandlungsplan abgeändert wird.

Im Folgenden sind einige Fallbeispiele für mögliche Anpassungen der einzelnen Behandlungen in Ihrem Land angeführt.

Anpassung von OP-Planungen

In den meisten Ländern werden nicht lebenswichtige Operationen für die Dauer der COVID-19-Pandemie ausgesetzt. Bei Krebspatienten muss das potentielle Risiko einer Krankheitsprogres­sion aufgrund Operationsaufschub gegen das Risiko einer potentiellen Coronavirus-Exposition und eines schweren Verlaufs von COVID-19 abgewogen werden. Sollte nach der Operation eine Intensivversorgung notwendig sein, wird die Verfügbarkeit von Intensivbetten in den Abteilungen für Intensivmedizin in die Entscheidungsfindung mit einbezogen.

In manchen Situationen, in denen eine neoadjuvante Therapie (eine Therapie, die vor der Operation gegeben wird) verfügbar ist, aber nicht routinemäßig eingesetzt wird (z. B. bei Brustkrebs im Frühstadium), schlägt Ihr Arzt Ihnen möglicherweise anstelle der Operation (die zu einer Exposition gegenüber dem Coronavirus führen könnte) eine neoadjuvante Therapie vor, um die Operation aufzuschieben zu können. Es ist jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass eine neoadjuvante Therapie, die immunsuppressive Wirkungen hat oder Krankenhausbesuche erfordert, ebenfalls mit dem Risiko einer Infektion und einem schweren Verlauf von COVID-19 einhergehen kann. Daher wird Ihr Arzt die Behandlungsmöglichkeiten mit Ihnen ausführlich besprechen, um einen optimalen Behandlungserfolg bei Minimierung des Risikos einer Coronavirus-Infektion zu erzielen.

Anpassung von Chemotherapien

Eine Entscheidung über einen Aufschub, eine Änderung oder Unterbrechung Ihrer Chemotherapie wird erst getroffen, nachdem die potentiellen Nachteile, die durch das Aufschieben oder Unterbrechen der Chemotherapie entstehen, gegen den potentiellen Nutzen einer COVID-19-Prävention abgewogen wurden. Diese Entschei­dung wird nach Prüfung des Einzelfalls unter Berücksichtigung des Risikos für ein Rezidiv aufgrund Aufschub oder Unterbrechung der Chemotherapie, der Anzahl der bereits abgeschlossenen Chemotherapie-Zyklen und der Verträglichkeit der Behandlung getroffen. 

  • Unter Erhaltungstherapie und bei stabiler Remission kann ihr Arzt Ihnen zu ‚Ferien‘ von der Chemotherapie raten. Diese Ferien können zeitlich so gelegt werden, dass sie mit dem Höhepunkt der Pandemie in Ihrer Region zusammenfallen.
  • In manchen Fällen kann ein Aufschub oder eine Änderung der adjuvanten Therapie (eine Therapie, die nach der Operation gegeben wird) empfohlen werden. Wenn Sie eine adjuvante Therapie wegen eines operativ entfernten Hochrisikotumors erhalten, wird Ihre Chemotherapie wahrscheinlich wie geplant fortgesetzt. Falls jedoch vermutet wird, dass der Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie relativ gering ist und nicht-immunsuppressive Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sind, wird Ihnen Ihr Arzt gegebenenfalls empfehlen, eine alternative Behandlung zu wählen, um Ihr Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 zu reduzieren.
  • Möglicherweise besteht die Gelegenheit, das Dosierungsschema Ihrer Chemotherapie zu wechseln, das weniger häufige Infusionen benötigt, z. B. eine Infusion alle 2-3 Wochen anstatt einmal wöchentlich. In manchen Fällen kann die Infusion sogar zu Hause durchgeführt werden; dies richtet sich nach der Infrastruktur in Ihrer Region.
  • Sie können eventuell von einer intravenösen Chemotherapie auf eine orale Therapie umsteigen und damit die Häufigkeit der Krankenhausbesuche reduzieren.
  • Wenn Ihre Chemotherapie fortgesetzt wird, wird Ihr Arzt Ihnen gegebenenfalls zur prophylaktischen Anwendung von Wachstumsfaktoren zur Ankurbelung Ihres Immunsystems und von Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionen raten, damit Sie weniger anfällig für einen schweren Verlauf von COVID-19 sind.

Anpassung von Strahlentherapien

Wenn Sie einen rasch fortschreitenden, potentiell heilbaren Tumor haben, können die Risiken eines Aufschubs der Strahlentherapie die Risiken im Zusammenhang mit COVID-19 überwiegen, daher wird Ihre Strahlentherapie wahrscheinlich fortgesetzt. Um Ihre Besuchstermine im Krankenhaus zu reduzieren, zieht Ihr Arzt gegebenenfalls Behandlungspläne mit einer akzelerierten oder hypofraktionierten Strahlentherapie in Erwägung. Das bedeutet, dass die Gesamtstrahlendosis im Vergleich zur Standard-Strahlentherapie über einen kürzeren Zeitraum oder auf weniger Dosen aufgeteilt gegeben wird.

Wenn bei Ihnen das Risiko für eine Schädigung aufgrund eines geänderten Strahlentherapie-Plans erhöht ist oder wenn Sie eine Strahlentherapie zur Symptomkontrolle erhalten, werden Ihre Bestrahlungstermine möglicherweise verschoben und alternative Behandlungen in Erwägung gezogen.

Eine Änderung oder ein Aufschub Ihrer Strahlentherapie wird nur dann beschlossen, wenn dies medizinisch zu vertreten und für Sie geeignet ist. Ihr Arzt wird mit Ihnen die Behandlungsmöglich­keiten besprechen, die in Ihrem Fall verfügbar sind.

Anpassung endokriner Therapien

Endokrine Therapien unterdrücken das Immunsystem nicht. Daher erhöhen sie das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 nicht. Das bedeutet, dass die Fortsetzung der endokrinen Therapie während der Pandemie in der Regel unbedenklich ist.

Wenn Sie Ihre endokrine Therapie jedoch als Injektion erhalten, wird Ihr Arzt möglicherweise entscheiden, Ihren Behandlungsplan zu ändern, so dass Sie nicht mehr so häufig ins Krankenhaus oder Gesundheitszentrum kommen müssen. Wenn Sie bisher beispielsweise eine Injektion alle 3 Monate erhielten, wird die Injektion jetzt alle 6 Monate verabreicht.

Anpassung von Immuntherapien

Wenn Sie eine Immuntherapie erhalten, wird Ihr Arzt Ihren Behandlungsplan gegebenenfalls so anpassen, dass Sie weniger häufige Besuchstermine im Krankenhaus haben werden. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Immuntherapien schwerwiegende immunvermittelte Nebenwirkungen verursachen können. Besonders problematisch ist eine behandlungsbedingte Pneumonitis, da sie das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 erhöhen kann. Alle Änderungen Ihrer Therapie erfolgen nach einer individuellen Prüfung Ihres Falles und werden mit Ihnen besprochen.

Anpassung von Stammzelltransplantationen

Liegt ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 vor, wird Ihr Arzt gegebenenfalls empfehlen, Ihre geplante Stammzelltransplantation zu verschieben, insbesondere wenn Ihre Krebserkrankung mit anderen Behandlungen gut kontrolliert werden kann. Falls Ihre Stammzelltransplantation wie geplant stattfindet, werden Sie während Ihres Krankenhausaufenthalts wahrscheinlich keinen Besuch empfangen dürfen.

Bislang gibt es keinen Beleg dafür, dass das neuartige Coronavirus durch Bluttransfusionen übertragen werden kann, aber in manchen Regionen werden potentielle Stammzellenspender vor Entnahme der Stammzellen auf COVID-19 getestet. Aufgrund von COVID-19 oder aus logistischen Gründen (wie Reiseeinschränkungen) sind möglicherweise weniger Stammzellenspender verfügbar. Stammzelltransplantationen könnten daher aufgeschoben werden, bis das Krankenhaus wieder Stammzellen erhalten hat. In diesen Fällen werden die Stammzellen so lange eingefroren, bis Ihr Termin neu festgesetzt werden kann.

Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihren Arzt oder Ihre Pflegefachkraft weiterhin über alle Nebenwirkungen Ihrer Krebstherapie informieren. Wahrscheinlich werden Ihre Besuchstermine durch Telefon- oder Video-Beratungen ersetzt, aber Sie werden wei­terhin ausgiebig Gelegenheit haben, alle neu auf­getretenen oder beunruhigenden Nebenwirkun­gen zu besprechen, und Ihr Arzt oder Ihre Pflege­fachkraft wird Ihnen nach wie vor bei deren Bewältigung behilflich sein. Falls Sie Medikamen­te zur Behandlung von Nebenwirkungen benö­tigen, können Ihnen diese eventuell sogar nach Hause geliefert werden.

Ihr Arzt wird in diesem Zeitraum möglicherweise zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um Besuchstermine im Krankenhaus zur Behandlung von Nebenwirkungen zu minimieren. Wenn bei Ihnen beispielsweise ein relativ geringes Risiko für die Entwicklung einer febrilen  Neutropenie besteht und Sie für gewöhnlich keine Wachstumsfaktoren erhalten, kann Ihr Arzt Ihnen die prophylaktische Anwendung eines Wachstumsfaktors während der COVID-19-Pandemie verordnen. Dadurch wird der potentielle Bedarf einer Notfallversorgung und damit einer Coronavirus-Exposition minimiert. Falls bei Ihnen Symptome einer febrilen Neutropenie vorliegen, Sie aber klinisch stabil sind (wie per Telefon- oder Video-Beratung festgestellt wurde), kann Ihr Arzt Ihnen ein Antibiotikum verschreiben, ohne dass Sie zu einem Arzttermin kommen müssen. Falls Ihr Arzt Sie darauf hinweist, dass bei Ihnen das Risiko für eine schwere behandlungsbedingte Anämie besteht, kann er eine Erythropoese-stimulierende Substanz verschreiben, um das Risiko für eine stationäre Transfusion zu senken.

Es ist zu beachten, dass manche COVID-19-Symptome sich mit den Nebenwirkungen der Krebstherapie überschneiden, wie z. B. Fatigue und Fieber. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie in engem Kontakt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft bleiben und sie über alle neu aufgetretenen Symptome oder Nebenwirkungen informieren.

„Ihr Arzt oder Ihre Pflegefachkraft werden Ihnen während der COVID-19-Pandemie weiterhin helfen, die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu behandeln und zu bewältigen.“

„Um Sie während dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, steht Ihnen eine Reihe von Gesundheitsdienstleistungen zur Verfügung.“

Die COVID-19-Pandemie wird wahrscheinlich auch die Behandlungspläne für die Versorgung am Lebensende beeinflussen. Da Krankenhäuser und Hospize den Zutritt von Besuchern während der Pandemie einschränken, wird Ihnen eventuell und sofern umsetzbar die Möglichkeit angeboten, zu Hause durch Ihre Angehörigen, anstatt in einer Gesundheitseinrichtung betreut zu werden. Doch auch bei häuslicher Betreuung sollten Sie aufgrund der einzuhaltenden sozialen Distanz keine Besuche von Personen außerhalb Ihres Haushalts empfangen.

Falls Ihre häusliche Versorgung am Lebensende nicht möglich sein sollte, werden Sie in einem Krankenhaus oder Hospiz von Ärzten und medizinischem Fachpersonal umfassend betreut. Sie werden in dieser Zeit nicht allein gelassen. Sie dürfen zwar nur eingeschränkt Besuch empfangen, aber Sie können mit Ihren Lieben per Telefon oder Videoanruf in Verbindung bleiben.

Ihr Arzt oder Ihre Pflegefachkraft werden sicherstellen, dass die Schmerztherapie und Behandlung von Beschwerden fortgesetzt werden, und zwar unabhängig davon, ob Sie zu Hause oder in einem Krankenhaus oder Hospiz betreut werden. Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihrem Arzt alle neu aufgetretenen Schmerzen oder anderen Symptome berichten, so dass Sie die entsprechende Behandlung erhalten.

Diese Zeit wird für Patienten und ihre Angehörigen nicht leicht sein. Aber Sie und Ihre Lieben werden weiterhin von Fachkräften für Gesundheitsdienstleistungen per Telefon, Videoanrufe und E-Mail unterstützt. Dazu gehört eine Betreuung durch Ihren Arzt und Ihre Pflegefachkraft und je nach Ihren Bedürfnissen durch andere Gesundheitsdienstleister wie Diätassistenten, Psychotherapeuten, Fachberater oder Sozialfachkräfte. Ihr Arzt wird die in Ihrer Region verfügbaren Gesundheitsdienst­leistungen mit Ihnen besprechen und Sie am diesbezüglichen Entscheidungsprozess in vollem Umfang teilhaben lassen.

Nach Ihrer Krebstherapie kann es auch zu Ände­rungen im Hinblick auf Ihre geplanten Nachsor­getermine kommen, um die Anzahl der Kranken­hausbesuche zu verringern. Routinemäßige Blutuntersuchungen können in örtlichen Gesundheitszentren anstatt im Krankenhaus durchgeführt werden, und die ärztliche Beratung wird wahrscheinlich per Telefon erfolgen.

Dringliche Untersuchungen durch bildgebende Verfahren zur Kontrolle der Krankheitsprogression (wie Computertomographien) werden weiterhin stattfinden, aber ihre Häufigkeit wird eventuell reduziert, vor allem bei Remission oder bei einer stabilen oder nur langsam fortschreitenden Krebserkrankung. Um mancherorts eine Coronavirus-Exposition im allgemeinen Krankenhaus zu vermeiden, könnten Ihre Untersuchungen durch bildgebende Verfahren in eine örtliche Krebsklinik ausgelagert werden.

Da Sie Ihren Arzt während der Pandemie oftmals nicht persönlich sehen, ist es sehr wichtig, dass Sie umfassend Gebrauch von den Telefonterminen machen, um alle neu aufgetretenen Symptome und Nebenwirkungen zu berichten oder Ihre etwaigen Sorgen zu besprechen.

„Unbedingt notwendige Nachsorgeuntersuchungen werden weiterhin stattfinden, aber sie können weniger häufig durchgeführt und in eine andere Einrichtung verlegt werden.“

„Es ist wichtig, dass Sie während dieser COVID-19-Pandemie gut für sich selbst sorgen und auf Ihre Gesundheit achten.“

Es ist sehr wichtig, dass Sie auch während der COVID-19-Pandemie auf eine gesunde Lebensweise achten; das wird Ihnen helfen, die Krebstherapie und die Zeit der Nachsorge besser zu bewältigen.

Eine gesunde Ernährung ist dabei entscheidend. Stellen Sie daher sicher, dass Sie die Lebensmittel bekommen, die Sie brauchen, wie frisches Obst und Gemüse. Falls das Angebot in den Geschäften in Ihrer Umgebung knapp sein sollte, können Sie möglicherweise Hilfsangebote wahrnehmen, wie folgende: 

  • Manche Sozialämter bieten Schutzbedürftigen einen kostenlosen Lieferservice für Lebensmittel an.
  • Große Supermärkte geben Hauslieferungen an Schutzbedürftige den Vorrang.
  • Viele Geschäfte haben spezielle Öffnungszeiten nur für Schutzbedürftige.

Falls Sie Probleme haben, die nötigen Lebensmittel zu bekommen, setzen Sie sich mit Ihrem Sozialamt in Verbindung, das Ihnen behilflich sein kann. Wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel oder eine Ernährungsberatung durch einen Diätassistenten erhalten, werden diese Leistungen während der gesamten Pandemie fortgesetzt.

Um gesund und fit zu bleiben, sollten Sie sich so viel wie möglich bewegen. Das kann eine Herausforderung sein, wenn man auf seine eigenen vier Wände beschränkt ist. Aber Sie können im Garten spazieren gehen, Treppen hinauf- und hinunterlaufen oder Online-Trainingskurse wahrnehmen. Jede Art von Bewegung wird Ihnen helfen, kräftig und fit zu bleiben.

Widmen Sie sich Ihrer Körperpflege und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft, falls Sie Probleme mit dem Waschen oder Baden haben; sie können Sie beraten, um Ihnen die Körperhygiene zu erleichtern.

Es ist sehr wichtig, dass Sie in dieser herausfordernden Zeit auch auf Ihre seelisch-psychische Gesundheit achten. Bleiben Sie regelmäßig mit Ihren Freunden und Verwandten per Telefon, E-Mail, Video-Anrufe und über soziale Medien in Kontakt. Sie sollten sich auch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft in Verbindung setzen, wenn Sie zusätzliche emotionale Unter­stützung von einem Psychotherapeuten oder Fachberater benötigen.

„Zur Bewältigung schwieriger Situationen während dieser COVID-19-Pandemie steht Ihnen zusätzliche physische, emotionale, finanzielle und soziale Unterstützung zur Verfügung.“

Die COVID-19-Pandemie hat weltweit zu einem gewaltigen Einschnitt im Alltagsleben geführt und bisher nicht gekannte Herausforderungen mit sich gebracht. Für Krebspatienten sowie für ihre Angehörigen und Freunde ist dies eine besonders sorgenreiche Zeit. Doch wir sollten uns vor Augen halten, dass die Pandemie wieder vorübergehen wird und die sozialen Einschränkungen wieder aufgehoben oder zumindest gelockert werden, wenn soziale Kontakte wieder unbedenklich sind. Bis dahin ist es unerlässlich, dass Sie sich an die Anweisungen halten und Ihre Gesundheit soweit wie möglich schützen.

Zusätzlich zur medizinischen Versorgung durch Ihren Arzt oder Ihre Pflegefachkraft kann auch eine psychosoziale Unterstützung verfügbar sein, wie folgende:

  • Emotionale Unterstützung: Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Ihre Pflegefachkraft, wenn Sie emotionale Unterstützung durch einen Psychotherapeuten oder Fachberater benötigen. Auch Ihr Gesundheitszentrum kann Sie mit örtlichen Diensten in Verbindung setzen, und vielerorts gibt es jetzt Freiwilligennetzwerke für emotionale Hilfe und Beratung per Telefon.
  • Finanzielle Unterstützung: In vielen Ländern gibt es Hilfsangebote, um es Ihnen während der COVID-19-Pandemie zu erleichtern, finanziell zurechtzukommen; diese umfassen gegebenenfalls ein garantiertes Einkommen, wenn Sie nicht arbeiten können, sowie das vorübergehende Aussetzen von Hypothekenzahlungen oder Zahlungen laufender Rechnungen.
  • Logistische Unterstützung: Für Schutzbedürftige ist häufig ein Lieferservice für lebenswichtige Dinge wie Lebensmittel und Medikamente verfügbar.
  • Soziale Unterstützung: In vielen Regionen werden Maßnahmen für alleinlebende Schutzbedürftige getroffen, um ihnen die Inanspruchnahme grundlegender Dienste zu gewährleisten; auch für diejenigen, die nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, ist eine Unterstützung verfügbar, solange die Schulen geschlossen sind.
  • Staatliche Hilfe: Als Krebspatient sollte während der Pandemie Ihr Status als schutzbedürftige Person oder Ihre Zugehörigkeit zu einer Hochrisikogruppe anerkannt werden, was bedeutet, dass Sie in Ihrem Land Anspruch auf zusätzliche Betreuung haben.

Vielleicht finden Sie es hilfreich, sich einer Online-Patientengemeinschaft anzuschließen, in der ein Austausch auf Augenhöhe über gemeinsame Sorgen möglich ist. Lokale, nationale und internationale gemeinnützige Einrichtungen und Patienten-Selbsthilfegruppen können ausgezeichnete emotionale Unterstützung und praktischen Rat für Patienten, ihre Angehörigen und Pflegepersonen bieten. Sie sind auch in der Lage, Informationen über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Ihre besondere Krebserkrankung erteilen.

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Weitere Informationen über Patienten-Selbsthilfegruppen für verschiedene Krebsarten finden Sie auch in den ESMO-Patientenleitlinien.

 

In den Medien zirkuliert eine Unmenge an Informationen über die COVID-19-Pandemie und ihre Auswirkungen auf Krebspatienten. Es ist sehr wichtig, sich im Klaren darüber zu sein, dass eine erhebliche Anzahl dieser Berichte medizinisch nicht belegt und daher nicht zwangsläufig vertrauenswürdig sind. Sie sollten sicherstellen, dass Sie Ihre Informationen nur aus zuverlässigen Quellen beziehen.

Nachstehend sind die wichtigsten Quellen aufgelistet, denen die in diesem Ratgeber enthaltenen Informationen entnommen wurden:

Bei Fragen hinsichtlich der Erlaubnis von Übersetzungen oder zur Unterstützung der Verbreitung der Patientenleitlinien (in englischer oder übersetzter Fassung) wenden Sie sich bitte an uns unter: patient_guides@esmo.org

Bei Fragen zu COVID-19 und Krebsversorgung, die im obigen Text nicht behandelt wurden, wenden Sie sich bitte an uns unter: patient_guides@esmo.org

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass KEINE Kommentare und KEIN Feedback von ESMO zu individuellen Behandlungsplänen von Patienten abgegeben werden und dass bei ESMO keine Zweitmeinungen zu Informationen, die Sie von Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegefachkraft erhalten haben, eingeholt werden können.

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